Sonntag, 1. April 2018

Berlin Alexanderplatz: Die Geschichte vom Franz Biberkopf


Berlin Alexanderplatz: Die Geschichte vom Franz Biberkopf

Ein Klassiker der literarischen Moderne


Wie ich zu diesem Buch kam:
Dieses „Büchlein“ hab ich beim Bummeln durch den Hugendubel entdeckt und was mich sofort gereizt hat, waren diese drei Dinge:

  1. Das außergewöhnlich kleine Format – das 736 Seiten in nur 9,3x2,9x14,5cm unterbringt 
  2. Die Zeit, in der es spielt: die Zwanziger Jahre 
  3. Die Covergestaltung mit Schreibschrift und Zeichnung


Kurzum: Genau meins!

„Berlin Alexanderplatz“ gehört neben dem „Ulysses“ von James Joyce und „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur.
Es erschien bereits 1929 im S. Fischer Verlag und erzählt die bewegende Geschichte des Franz Biberkopf, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Berlin-Tegel in einen Strudel aus Verrat und Verbrechen gerät. Darüber hinaus aber erzählt der Roman auch vom Berlin der zwanziger Jahre und findet zum ersten Mal in der deutschen Literatur eine eigene, ganz neue Sprache für das Tempo der Stadt. Meiner Meinung nach hat Döblins Roman den Berliner Ton vom „Hauptmann von Köpenick“, das Schelmische und den Schreibstil von Günter Grass und von Franz Kafka den Expressionismus. Alles in einem vereint, macht es das Lesen nicht eben leichter. Oft war ich drauf und dran aufzugeben, wenn mich nicht die Geschichte dann doch so neugierig gemacht hätte, dass ich dabei geblieben bin.

Darum geht’s:
Alfred Döblin schildert die Geschichte des kleinen Kriminellen Franz Biberkopf, der vergeblich versucht, ein anständiger Mann zu werden, nachdem er für den Mord an seiner Geliebten ins Gefängnis wanderte. „Der möchte groß sein und scheitert an den kleinen Verhältnissen, möchte ein anständiges Leben führen und landet im Gefängnis, ist ein Kerl der zum Tier werden kann, und doch ungemein verletzlich, möchte lieben und wird als Mörder der Geliebten bezichtigt.“ Dieser Roman ist das wichtigste Buch des 1878 geborenen Alfred Döblin. Was ich bei meiner Recherche heraus gefunden habe, ist, dass es dem Berliner Schauspieler Ben Becker im Berliner Maxim Gorki Theater gelungen ist, diesen Franz Biberkopf lebensecht und gefühlvoll darzustellen. Ein Rezensent berichtet über das Theaterstück: „Mit dieser Rolle, aus meiner Sicht der Rolle seines Lebens geht Ben Becker auch auf Tournee. Er trägt hier in 175 Minuten Auszüge aus Döblins Roman vor. Jedem Döblin-Liebhaber kann ich nur sagen: Ben Becker ist`Franz Biberkopf. Ich selber kann mir keine bessere Verkörperung dieses getriebenen und gestoßenen kleinen Mannes vorstellen. Die, subtile, Ironie von Döblin, seine Schilderung des Alltagslebens der Kleinen Leute in Berlin, die ironisch-distanzierte Beschreibung der Aktienhysterie zwei Jahre vor der Weltwirtschaftskrise (Tendenz: Lustlos, später starke Kursrückgänge, Hamburg verstimmt, London schwächer) wird von Ben Becker einfach grandios vorgetragen.“
Und genau so geht es einem beim Lesen auch. Man kann es nicht aus der Hand legen – auch, wenn man manchmal gerne möchte – aber dieses Tempo reißt einen mit. Die Sprache liest sich schwer: Eine Mischung aus Erzähler (hochdeutsch), Berliner Schnauze und Grammatik(!) plus hin und wieder "berlinernde" Juden in ihrem ganz eigenen Slang. Grandios!

Fazit: Es lohnt sich! Inhaltlich wie optisch – es hat nun seinen festen Platz in meinem Bücherregal.

Facts:
Preis: 12,00 Euro
ISBN: 978-3596521494
Verlag: FISCHER Taschenbibliothek

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