Dienstag, 3. April 2018

Wenn Martha tanzt


Dieses Buch hat einen ganz besonderen Platz auf meinem Schreibtisch bekommen ... wie ihr wisst, bin ich ein großer Fan von "alten" Geschichten und in diesem Buch werden gekonnt zwei Zeiten miteinander verwoben ...

Und darum geht's:
Ein junger Mann reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar - ein gewagter Schritt. Walter Gropius wird auf sie aufmerksam, Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert - für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur ...

Autor und Buch:
Tom Saller ist mir seinem Debüt-Roman (Umfang 288 Seiten) ein magisches , interessantes und mitreißendes Werk gelungen. Ich konnte mich komplett in Marthas Welt hineinversetzen und lebte richtig mit. Immer wieder dachte ich beim Lesen, ich wüsste wie es ausgehen wird ... um dann komplett überrascht zu werden. Gerne hätte ich gewusst, wie es weitergegangen wäre, hätte es das schreckliche Ende nicht gegeben. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten ... nur so viel: Es war sehr abenteuerlich mit Thomas nach New York zu reisen um dort das Tagebuch zu einem gigantischen Preis bei Sothebys zu versteigern. Thomas hat das Tagebuch gründlich studiert und dabei lernen wir die kleine Martha kennen, die in einem kleinen Dorf in Pommern geboren wird. Schon als Kind weiß sie was sie will und hat ihren eigenen Kopf. Ihren Mut, Kraft und Stärke beweist sie auch auf ihren späteren Lebenswegen, sie schafft es an der Kunsthochschule Bauhaus in Weimar einen Platz zu ergattern ...

Fazit: Wie eingangs beschrieben, ist Tom Saller ein ganz besonderer Roman gelungen. Er hat sich direkt einen Platz auf meiner persönlichen Bestenliste ergattert. Von der Art anders, trotzdem erinnert mich das Buch an "Schlick" - das ich ebenso lieb gewonnen habe. Wann immer ich kann, empfehle ich es weiter!

Facts:
ISBN: 978-3471351673
Verlag: List
Preis: 20,00 Euro

Sonntag, 1. April 2018

Bullet Diary - mein Leben, mein Plan!

Bullet Diary



Über das Buch:
Schluss mit den unzähligen To-Do-Listen, Post-its oder langweiligen Kalendern!
Das Bullet Diary vom Stuttgarter Frech-Verlag basiert auf dem Prinzip des Bullet Journaling und begleitet durch den Alltag, macht Spaß und erleichtert es, den Überblick zu wahren. Das Leben planen und nach den eigenen Wünschen gestalten: Der Wochenkalender, die Jahresziele, Aufgaben und Ziele pro Monat, die Reiseplanung und vieles mehr stehen zum Gestalten und Befüllen bereit. Zudem sind zahlreiche Seiten für die ganz persönliche Gestaltung und für die individuellen Bedürfnisse enthalten.Ein separates Anleitungsheft gibt zahlreiche Tipps und Tricks, wie das Bullet Diary entsteht und wächst. 

Soweit zu den Inhalten im Buch! Damit man es sich besser vorstellen kann, hier Bilder dazu:



Ich hab mich zunächst total gefreut über die vielen Vorlagen und Möglichkeiten. Zu Beginn war es auch mein täglicher Begleiter wie vom Verlag beabsichtigt. Doch irgendwann hab ich bemerkt, dass ich das gar nicht bin. Ich liebe zwar Listen und schreibe auch so ziemlich alles auf. Aber ich vergöttere mein Moleskine-Notizbuch und an das kommt  kein anderes ran. Seit Jahren fülle ich Kladde um Kladde mit To dos, Geschenkideen für meine Lieben, Urlaubsplanungen, Interviews, Reportagen etc. Aber ich kann vorher nicht planen, welchen Umfang was im Jahr einnehmen wird. Und dazu bin ich auch noch Perfektionistin und möchte keine Seiten rausreißen und schon gar nicht überschreiben. Was ich aber in meinem kreativen Eifer ziemlich deutlich bemerkt habe: Weder kann ich zeichnen, noch zeichne ich gerne! Somit ist es für alle, die Zeit haben mit Sicherheit ein tolles Buch, um sein Leben zu strukturieren und zu planen. Mir fehlt Zeit, Geduld und Muse ... leider. Das gilt jetzt aber nicht nur für dieses Buch, sondern für alle Bücher, die in diese Richtung gehen.




Fazit: Wer sich allerdings gerne damit beschäftigen möchte und ins Journaling einsteigt, für den ist das genau richtig. Mit einer detaillierten Anleitung und passenden Schablonen ist man für den Start perfekt gerüstet. Dieses Bullet Diary passt trotzdem zu meiner Lieblings-TOPP-Sammlung - weil es liebevoll gemacht wurde und für jeden, der sich wirklich dafür interessiert, mit Sicherheit ein tolles Einstiegswerk ist!

Facts:
Verlag: Frech Verlag, Reihe TOPP
ISBN: 978-3772483264
Preis: 12,99 Euro






Berlin Alexanderplatz: Die Geschichte vom Franz Biberkopf


Berlin Alexanderplatz: Die Geschichte vom Franz Biberkopf

Ein Klassiker der literarischen Moderne


Wie ich zu diesem Buch kam:
Dieses „Büchlein“ hab ich beim Bummeln durch den Hugendubel entdeckt und was mich sofort gereizt hat, waren diese drei Dinge:

  1. Das außergewöhnlich kleine Format – das 736 Seiten in nur 9,3x2,9x14,5cm unterbringt 
  2. Die Zeit, in der es spielt: die Zwanziger Jahre 
  3. Die Covergestaltung mit Schreibschrift und Zeichnung


Kurzum: Genau meins!

„Berlin Alexanderplatz“ gehört neben dem „Ulysses“ von James Joyce und „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos zu den bedeutendsten Großstadtromanen der Weltliteratur.
Es erschien bereits 1929 im S. Fischer Verlag und erzählt die bewegende Geschichte des Franz Biberkopf, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in Berlin-Tegel in einen Strudel aus Verrat und Verbrechen gerät. Darüber hinaus aber erzählt der Roman auch vom Berlin der zwanziger Jahre und findet zum ersten Mal in der deutschen Literatur eine eigene, ganz neue Sprache für das Tempo der Stadt. Meiner Meinung nach hat Döblins Roman den Berliner Ton vom „Hauptmann von Köpenick“, das Schelmische und den Schreibstil von Günter Grass und von Franz Kafka den Expressionismus. Alles in einem vereint, macht es das Lesen nicht eben leichter. Oft war ich drauf und dran aufzugeben, wenn mich nicht die Geschichte dann doch so neugierig gemacht hätte, dass ich dabei geblieben bin.

Darum geht’s:
Alfred Döblin schildert die Geschichte des kleinen Kriminellen Franz Biberkopf, der vergeblich versucht, ein anständiger Mann zu werden, nachdem er für den Mord an seiner Geliebten ins Gefängnis wanderte. „Der möchte groß sein und scheitert an den kleinen Verhältnissen, möchte ein anständiges Leben führen und landet im Gefängnis, ist ein Kerl der zum Tier werden kann, und doch ungemein verletzlich, möchte lieben und wird als Mörder der Geliebten bezichtigt.“ Dieser Roman ist das wichtigste Buch des 1878 geborenen Alfred Döblin. Was ich bei meiner Recherche heraus gefunden habe, ist, dass es dem Berliner Schauspieler Ben Becker im Berliner Maxim Gorki Theater gelungen ist, diesen Franz Biberkopf lebensecht und gefühlvoll darzustellen. Ein Rezensent berichtet über das Theaterstück: „Mit dieser Rolle, aus meiner Sicht der Rolle seines Lebens geht Ben Becker auch auf Tournee. Er trägt hier in 175 Minuten Auszüge aus Döblins Roman vor. Jedem Döblin-Liebhaber kann ich nur sagen: Ben Becker ist`Franz Biberkopf. Ich selber kann mir keine bessere Verkörperung dieses getriebenen und gestoßenen kleinen Mannes vorstellen. Die, subtile, Ironie von Döblin, seine Schilderung des Alltagslebens der Kleinen Leute in Berlin, die ironisch-distanzierte Beschreibung der Aktienhysterie zwei Jahre vor der Weltwirtschaftskrise (Tendenz: Lustlos, später starke Kursrückgänge, Hamburg verstimmt, London schwächer) wird von Ben Becker einfach grandios vorgetragen.“
Und genau so geht es einem beim Lesen auch. Man kann es nicht aus der Hand legen – auch, wenn man manchmal gerne möchte – aber dieses Tempo reißt einen mit. Die Sprache liest sich schwer: Eine Mischung aus Erzähler (hochdeutsch), Berliner Schnauze und Grammatik(!) plus hin und wieder "berlinernde" Juden in ihrem ganz eigenen Slang. Grandios!

Fazit: Es lohnt sich! Inhaltlich wie optisch – es hat nun seinen festen Platz in meinem Bücherregal.

Facts:
Preis: 12,00 Euro
ISBN: 978-3596521494
Verlag: FISCHER Taschenbibliothek