Donnerstag, 9. März 2017

Betrunkene Bäume

Betrunkene Bäume


Die Ankündigung des Buches habe ich auf der Frankfurter Buchmesse gelesen und habe mir den Titel direkt notiert. Betrunkene Bäume, dachte ich, witzige Idee.

Und darum geht's:
„Kraftlos ließ er sich auf die Matratze fallen und legte den Kopf auf das Kissen. Durch die weit geöffneten Fenster drang die warme, duftende Sommerluft und bewegte die Blätter über seinem Kopf. Erich schloss die Augen und lauschte für einige Sekunden dem leisen Knistern, das die Äste an der Tapete erzeugten. Der Stamm reichte bis zur Decke und sorgte dafür, dass die Krone sich fächerförmig ausbreitete. Erich liebte den Geruch der Pflanzen, er erleichterte ihm den Schlaf. Seit die Nachbarin unter ihm gefragt hatte, ob auch er ein Problem mit feuchten Decken habe, war er noch vorsichtiger geworden. Niemand sollte ihm seinen Wald nehmen. Es war alles, was er noch hatte.“

Erich ist über achtzig und verliert Stück für Stück seine Unabhängigkeit. Außerdem trauert er um die Liebe seines Lebens. Als junger Forscher hatte Erich eine Expedition in die Taiga unternommen. In jener Zeit hat er Schuld auf sich geladen, die bis heute nachwirkt und Erich vereinsamen lässt. Dann jedoch tritt die 17-jährige Katharina in sein Leben. Sie ist von zu Hause ausgerissen, als ihr Vater die Familie verlassen hat.

Die Autorin  Ada Dorian schrieb diese die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die um Schuld und Verrat, um Heimat und Entwurzelung kreist. Dieses Buch wird in der Fachwelt als kleines Juwel gehandelt ... aber: Puh, keine leichte Kost und das Buch lässt einen traurig zurück – und auch so schnell nicht los. Es regt dazu an, sein eigenes Dasein zu reflektieren. Ich habe ehrlich gesagt schwer hineingefunden, dann hat es mich kurz mitgerissen und am Ende grübelnd ausgespuckt. Allerdings fehlt an einigen Stellen der Tiefgang und ich fühlte mich etwas alleine gelassen. Die Nebenfiguren könnte man noch weiter ausarbeiten und Erich hätte ich auch noch gerne ein bisschen länger begleitet und ihn besser kennenlernen wollen. Das Cover allerdings ist toll und aufwändig gemacht. Denke, es bleibt auf alle Fälle als Hingucker in meinem Regal stehen. Verschenkt habe ich es auch schon. Es sei gewarnt: Das liest man nicht mal eben bei.
Bei meinen Internetrecherchen stieß ich auf den Kommentar von einem Xirxe, der schreib: Übrigens, die „Betrunkenen Bäume“ gibt es tatsächlich, wenn auch nicht in Sibirien. Doch einen Wald mit solchen Bäumen gibt es am Kurischen Haff. Fand ich eine nette Anekdote :-)


Über die Autorin:
Ada Dorian, geboren 1981, studierte Literaturwissenschaften und Philosophie. Sie forschte in Osnabrück über Erich Maria Remarque, wo sie nach langem Aufenthalt in Hamburg lebt. Sie gewann den Literaturförderpreis der Stadt Hamburg 2009, ist Trägerin des Literaturstipendiums des Landes Niedersachsen 2016 und war nominiert für den Ingeborg-Bachmann-Preis 2016.




Fazit: Für mich war es thematisch zu schwer. Also - nicht im Sinne von schwierig. Aber traurig. Und irgendwie habe ich in letzter Zeit ziemlich viele, traurige Bücher gelesen. Vielleicht liegt es genau an diesem Umstand, dass es nicht mein Lieblingsbuch geworden ist. Vielleicht aber auch an der etwas alltäglichen Sprache, die ich jetzt persönlich wenig poetisch fand.


Facts:
Verlag: Ullstein
ISBN: 13 9783961010011
Preis: 18,00 Euro


Mehr über mich findet ihr hier!


Kaufen? Gerne!

Ich habe auch gelebt

Ich habe auch gelebt!


Dass ich ein absoluter Astrid Lindgren-Fan bin, wisst ihr ja! Und genau deshalb war ich Feuer und Flamme für dieses Buch: Ein bisher unveröffentlichter Briefwechsel zwischen Astrid Lindgren und ihrer engen Freundin Louise Hartung. Nie zuvor gab es einen so persönlichen Einblick in das Leben meiner Lieblings-Autorin!


Und darum geht es:
Manchmal frage ich mich, warum ich lebe, warum Menschen überhaupt leben. Aber das erzähle ich nur Dir – ich laufe nicht mit hängendem Kopf herum, sodass es jemand sieht. Falls Du weißt, warum Menschen leben, dann schreib und erzähl es mir. Astrid Lindgren stand 1953 am Beginn einer beispiellosen Weltkarriere. Bei einem Berlinbesuch lernte sie die Deutsche Louise Hartung kennen, etwa ein Jahr nachdem Lindgren sehr plötzlich ihren Mann verloren hatte. Aus der Begegnung entstand eine ganz besondere Freundschaft. Wie wenig andere verstand Hartung die „kleine Melancholie“, die Lindgren an manchen Tagen überkam. Über elf Jahre hinweg teilten die beiden außergewöhnlichen Frauen Freude und Trauer und standen einander in über 600 Briefen bei, die sich wie ein Roman lesen. In den Briefen der Freundinnen, die die Weltschriftstellerin Astrid Lindgren von einer ganz neuen Seite zeigen, entsteht ein sehr persönliches Bild vom Leben in Deutschland und Schweden in einer Zeit des Wiederaufbaus und gesellschaftlichen Umbruchs. Berührend, klug, traurig und lustig zugleich: das Porträt einer engen Freundschaft, die alle Grenzen überwindet.

Genau das macht es aus. Auf der einen Seite die Schriftstellerin, die sich die lustigsten Geschichten ausdenken kann und auf der anderen Seite ist sie eine Frau, die doch sehr oft melancholisch bis leicht depressiv ist - zumindest offenbart sie das des öfteren in ihren Briefen. Sie ist enorm eingespannt zwischen Arbeit und Privatleben. Ich persönlich empfände Louise Hartung zwar als interessant, aber auch als sehr anstrengend. So sucht sie eine echte Beziehung. Wird immer wieder vorsichtig zurückgewiesen. Sagt, es störe sie nicht, um dann doch irgendwie beleidigt zu sein. Dann wieder lockend, weil sie merkt, es nutzt nichts. Eine sehr enge, aber auch wahnsinnig anstrengende - und wenn sich die beiden Damen auf Reisen machen - auch wieder lustige Freundschaft. Es stimmt, wenn im Klappentext steht, es läse sich wie ein Roman. Trotz allem gibt es auch Längen - völlig normal bei über 600 Briefen. Die Herausgeber Jens Andersen, Jette Glargaard haben sich große Mühe bei der Auswahl der Briefe gegeben. Man merkt dem Buch ihre Liebe zu den alten schriftlichen Zeitzeugen deutlich an. Beide Frauen haben alle Briefe sauber in Kartons verwahrt. Und er jetzt wird der Schatz ihren Anhängern zugänglich gemacht. In Form dieses schön gebundenen Buches. Entfernt man den Umschlag, tritt eine schöne Prägung des Umschlags hervor. Hach, ich LIEBE Bücher! Geschrieben haben sie sich übrigens anfangs auf deutsch, dann auf englisch und am Ende dann, als Astrid feststellte, dass Louise ganz passabel Schwedisch konnte, auf schwedisch!


Die "Autorinnen":
Louise Hartung

Louise Hartung (1905-1965) kam in Münster zur Welt. Sie war das jüngste von acht Kindern, ihre Mutter starb im Kindbett. Schon früh zeigte sich ihr musikalisches Talent. Ab 1920 machte sie eine Ausbildung zur klassischen Sängerin in Paris, Mailand und Berlin. Seit Mitte der 1920er Jahre lebte sie in Berlin und bewegte sich in den Künstlerkreisen um die Zeitschrift "Der Sturm". Durch Nell Walden traf sie Maler wie Kandinsky, Chagall, Franz Marc und Paul Klee. Sie kam dort auch in Kontakt mit Bertolt Brecht und Kurt Weill und wirkte an der Uraufführung der Dreigroschenoper 1928 mit. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Hartung in Berlin für das Hauptjugendamt unter der SPD-Senatorin Ella Kay. Sie entdeckte früh Astrid Lindgrens Bücher, und es war ihr ein großes Anliegen, diese in Deutschland bekannt zu machen. Anlässlich einer Einladung der Autorin nach Berlin lernten die beiden sich kennen - es entstand eine Freundschaft, die bis zu Hartungs Tod fortbestand. Von ihrer Freundin Astrid wurde Louise in den Briefen oft mit "Mein Louiselchen, mein" angeschrieben, was die tiefe Zuneigung verdeutlicht.


Astrid Lindgren
Astrid Lindgren (1907-2002) ist die wichtigste Kinderbuchautorin des 20. Jahrhunderts, Pippi LangstrumpfMichel aus LönnebergaKarlsson vom DachRonja Räubertochter und Die Brüder Löwenherz sind Klassiker, die bereits von mehreren Generationen von Kindern und Eltern gelesen wurden. Sie überwinden mühelos die Grenzen von Alter, Geschlecht, Herkunft und Politik. Astrid Lindgrens Bücher wurden in über 96 Sprachen übersetzt und haben sich mehr als 150 Millionen Mal verkauft. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin hat sie sich stets für Rechte von Kindern eingesetzt. Astrid Lindgren war mit Leidenschaft Mutter und Oma. Zum Schreiben brauchte sie aber Ruhe und so zog sie häufig in ihr Ferienhäuschen zurück, wo sie sich im Bett liegend die besten Kindergeschichten der Welt ausdachte.

Fazit: Tja, was sag ich nun? Wenn man ein bisschen so tickt wie ich und auf Vintage (das Cover!!) steht, Astrid Lindgren liebt und seine eigene Familie nach Bullerbü verfrachten würde - für den Rest des Lebens, dann ist es ein Must-have, wie man so schön sagt. Für alle Geschichte-Liebhaber - ein super Einblick in das damalige Leben (dass eigentlich nicht so wahnsinnig weit zurückliegt). Für alle, die Biographien mögen: Sehr empfehlenswert. Wer allerdings mit alldem nichts am Hut hat, für den wird es schwierig. Aber ich möchte behaupten, das ist es dann sowieso ;-)


Facts:
Verlag: Ullstein
ISBN: 13 9783550081767
Preis: 26,00 Euro


Kaufen? Gerne hier direkt bei Ullstein!



Eine Million Minuten

Eine Million Minuten


Auf dieses Buch wurde ich durch eine Talkshow aufmerksam, die ich sonst gerne meide. Aber dieses Mal blieb ich hängen, weil Wolf Küper so normal, entspannt und locker rüberkam und das, worüber er berichtete, eigentlich gar nichts zum Entspannen war. Dieses Buch handelt von einer Familie in der nichts mehr bleibt wie es war, nachdem klar wird, dass sich die gemeinsame Tochter nicht "normal" entwickeln wird. Was "normal" in unserer Gesellschaft bedeutet, und was passiert, wenn jemand diesen Normen nicht voll entspricht, davon bekommt man schon mit den ersten Zeilen eine Ahnung. Jedenfalls musste ich nach dieser Talkshow das Buch unbedingt haben! Denn es ist viel mehr als ein Bericht über eine Familie, die ihrer Tochter eine Wunsch erfüllte und so das Glück fand.


Und darum geht es:

Die wirklich wichtigen Dinge stehen auf den blöden To-do-Listen ja nicht drauf.
Als Nina eines Abends beim Zubettgehen sagt: "Ach Papa, ich wünschte, wir hätten eine Million Minuten. Nur für die ganzen schönen Sachen, weißt du?", bekommt Wolf Küper eine Ahnung davon, dass eine Million gemeinsam verbrachter Minuten womöglich sehr viel wertvoller sein könnte als eine glänzende Karriere. Eine Million Minuten ist ein Märchen aus dem Deutschland der Gegenwart. Die wahre Geschichte einer Familie, in der sich ein Vater von den Träumen seiner Tochter anstecken lässt und vier Menschen die Reise ihres Lebens machen ...

Vorsicht: Diese Art, das Leben zu sehen, steckt an. Was passiert, wenn wir unsere vermeintlichen Sicherheiten hinter uns lassen? Wenn wir einfach mal aus dem ewigen System ausbrechen? Wir sind frei! Und damit muss man erstmal umgehen können.
Was sind schon zwei Jahre: Im Grunde eine Zeit, die man nie mehr vergessen wird. Wer kann das schon von sich sagen, wenn man den immer gleichen Alltag lebt? Wisst ihr noch, was ihr die letzten beiden Jahre gemacht habt? En detail? Eben! Am liebsten würde man seine Kinder von der Schule beurlauben lassen und losziehen. Vielleicht wäre das ja mal eine echte Option?

Über den Autor: 
Wolf Küper, geboren 1973 in Bremerhaven, promovierte im Bereich der Internationalen Umweltpolitik. Er arbeitete mehrere Jahre als Tropenforscher in den Regenwäldern Südamerikas sowie als Gutachter für die Vereinten Nationen. Bis ihn seine vierjährige Tochter eines Abends überzeugte, dass es eigentlich Wichtigeres gibt als eine glänzende Karriere. Seine Entscheidung für das Abenteuer Familie hat er nie bereut. Zurzeit ist die Familie in Bonn, aber schon im April geht es wieder los: Dieses Mal nach Südafrika. Kapstadt, denn Nina ist nun schulpflichtig und er kann dort als Lehrer arbeiten. Für die nächsten zwei Jahre - und dann mal sehen!

Fazit: Ich fand das Buch sehr lustig geschrieben, ein wenig unstrukturiert, weshalb es sicher Leser gibt, die nicht so leicht hineinfinden. Da ich aber über den Auftritt des Autors an das Buch gestolpert bin, war ich sofort drin und dabei. Und habe jetzt ein bisschen Fernweh. Aber das legt sich wieder. Oder? Ach ja, und nur keine Hastik!!


Facts:
Verlag: KNAUS Verlag
ISBN: 978-3-8135-0743-0
Preis: 19,99 Euro


Mehr über mich findet ihr hier!


Bestellen? Gerne!